Kann ein Handy ein Tablet ersetzen

Angewinkeltes Display

Nach meinem letzten Beitrag, in dem ich mir die Frage gestellt habe, ob ein Tablet einen PC ersetzen kann, hat sich Samsung nochmal bereit erklärt, mir ein Testgerät zur Verfügung zu stellen. Dieses mal das Samsung Galaxy Z Fold 3, also ein Klapp- bzw. Falthandy. Ich wollte damit testen, ob ein Handy in großen Teilen ein Tablet ersetzen kann. Um die Frage am Anfang schonmal kurz zu beantworten: Für mich nicht.

Auch dieses mal gilt wieder: Ich will gar nicht zu sehr auf das Gerät als Test eingehen. Davon gibt es mittlerweile mehr als genug, da das Gerät mittlerweile ziemlich genau 1 Jahr alt ist.

Verpackung und Rundumblick

Die Verpackung ist relativ groß aber schmal gehalten. Das Galaxy Z Fold 3 liegt aufgeklappt in der Verpackung. Ansonsten findet man das übliche Zubehör. Ein Ladekabel, ein paar Zettelchen und den Öffner für den Simkartenschacht. Ein Netzteil sucht man wie bei vielen Herstellen vergeblich.

Ansonsten das Übliche: Hinten Kamera, rechts Lauter-/Leisetaste sowie den Ein-/Ausschalter mit integriertem Fingerabdrucksensor, USB-C-Anschluss auf der Unterseite.

Im zugeklappten Zustand findet sich vorne das Display, das seit der zweiten Generation fast die ganze Fläche einnimmt. Aufgeklappt nimmt das das Innendisplay ebenfalls die ganze Fläche ein. Die Kamera befindet sich unter dem Display. Bei dunklen Inhalten fällt diese so gut wie gar nicht auf. Bei hellen ist sie leicht zu sehen. Nach kurzer Zeit der Nutzung fällt sie aber nicht mehr auf.

Der Klappmechanismus wirkt robust. Kein Wunder, mittlerweile ist es ja schon die dritte Generation des Gerätes. Aufklappen ist einhändig schwierig und auch mit zwei Händen fiel es mir nicht immer leicht.

  • Vorderseite mit Always on Display
  • Vorderseite mit eingeschaltetem Display
  • Rückseite
  • Innenseite
  • Angewinkeltes Display
  • Untere Seite mit angewinkeltem Display
  • Unterseite
  • Linke Seite
  • Rechte Seite
  • Obere Seite

Der Alltag

Von der Bedienung unterscheidet sich das Fold 3 kaum von anderen Android-Geräten. Kein Wunder, es läuft ja auch Android mit Samsungs OneUI auf dem Gerät nur eben mit ein paar zusätzlichen Features.

Die Displays

Obwohl das vordere Display fast den ganzen verfügbaren Platz einnimmt, ist es trotzdem ziemlich Gewöhnungsbedürftig. Es ist sehr hoch und schmal. Die Tastatur ist dadurch ziemlich klein und tippen macht mir damit keinen Spaß, da ich oft die falschen Tasten treffe. Um eine kurze Nachricht zu tippen oder etwas im Internet zu suchen ist es okay, für längere Texte klappte ich das Gerät aber immer auf.

Apropos Internet. Kurz eine Kleinigkeit nachgucken geht auf dem Außendisplay natürlich, aber auch hier: Es ist zu schmal. Die meisten Websites sind nicht darauf ausgelegt und es sieht alles irgendwie etwas komisch aus.

Das selbe gilt aber nicht nur für Websites, sondern genauso für Apps. Für kurze Blicke reicht es, wenn gerade nur eine Hand frei ist, aber meist wird man wohl auf das große Innendisplay zurückgreifen.

Das Innendisplay ist mit seinen 7,6″ eine ganze Ecke größer und angenehmer zu benutzen. Die meisten Apps kommen mit dem Seitenverhältnis auch ganz gut klar.

Software und Features

Samsung hat dem Smartphone ein paar Sonderfunktionen spendiert, die ganz nützlich sind. Es gibt zudem die Möglichkeit, Beta-Funktionen zu aktivieren, also Funktionen, die noch nicht fertig implementiert sind oder die erst getestet werden, ob sie später wirklich in die finale Version übernommen werden.

Apps weiterverwenden

Es können bestimmte Apps festgelegt werden, die beim „wechseln“ des Displays weiter ausgeführt werden sollen. Falls gerade eine App ausgeführt wird, die nicht dafür ausgewählt wurde, landet man auf dem Homescreen. Das ist ganz praktisch wenn man zum Beispiel gerade eine Internetseite besucht und dann doch das größere Display nutzen möchte. Aufklappen und der Browser wird automatisch im großen Display angezeigt. Wiederum kann beispielsweise ein Spiel beim zuklappen geschlossen werden, weil es auf dem kleinen Display wenig Sinn macht.

Allerdings funktioniert das nicht bei allen Apps gleich gut. Bei manchen geht das Layout beim Zu-/Aufklappen kaputt. Ein Beispiel dafür: Der Mastodon-Client Tusky. Beim Zuklappen wir die App zwar verkleinert auf dem Display dargestellt, aber die Texte werden nicht richtig umgebrochen und laufen links und rechts über das Display hinaus. Ein weiteres Beispiel ist die Sonos-App. Diese muss beim Displaywechsel komplett geschlossen und wieder geöffnet werden.

Schwer zu sagen, ob das ein Problem vom App-Hersteller oder von Samsung ist, jedenfalls etwas nervig.

Apps im Vollbild

Bestimmte Apps erlauben keine Vollbild-Darstellung: Instagram ist so ein Beispiel. Diese wird standardmäßig in der Mitte angezeigt, mit einem schwarzen Balken links und rechts. Ein experimentelles Feature erlaubt es eben solche Apps im Vollbild darzustellen. Dazu wird sie etwas skaliert. Im Falle von Instagram funktioniert das gut, dafür gibt es dann ein anderes Problem: Durch das fast quadratische Display werden Bilder oft nicht mehr komplett angezeigt, da sie höher dargestellt werden, als Platz auf dem Display ist.

Mehrere Apps auf einmal

Das innere Display erlaubt es bis zu drei Apps gleichzeitig auszuführen. Eine App auf einer Displayhälfte, die dann wie eine App in normaler Größe dargestellt wird und zwei Apps auf der anderen Displayhälfte. Die Apps können einfach per Drag & Drop hin- und hergezogen werden.

Meist reichen aber bereits zwei Apps (links und rechts), da bei drei Apps (mit zwei Apps, die jeweils nur ein viertel einnehmen) der Platz schon relativ knapp wird.

Ganz praktisch um z. B. etwas im Internet zu suchen und gleichzeitig auf der Karte zu suchen, wo der gesuchte Ort ist oder um sich nebenbei ein paar kurze Notizen zu machen.

  • Homebildschirm Außendisplay
  • Spotify Außendisplay
  • Website Außendisplay
  • Website Innendisplay
  • Homebildschirm Innendisplay
  • Mehrere Apps auf dem Innendisplay
  • Notion auf dem Innendisplay

Fingerabdrucksensor

Außerdem sei noch kurz der Fingerabdrucksensor erwähnt. Der befindet sich im Ein-/Ausschalter, was ich sehr begrüße, da ich kein großer Fan von Fingerabdruckscannern im bzw. unterm Display bin. Der Grund ist einfach: Wäre der Sensor im oder unterm Display müssten zwei verbaut werden. Der Sensor funktionierte zuverlässig und schnell.

Hauptkamera als Selfiecam?

Die Möglichkeit das Fold 3 aufzuklappen hat noch einen anderen Vorteil: Die Hauptkamera kann als Selfiecam benutzt werden. Das Außendisplay fungiert dann als „Sucher“. Um ehrlich zu sein ist die Kamera auf dem Innendisplay auch ziemlich unbrauchbar. Dadurch, dass sie unter dem Display ist, sieht das Bild ziemlich verwaschen aus. Für meinen Geschmack hätte man sich diese auch sparen können.

Handy und Tablet in einem?

Mein Hauptbeweggrund das Gerät zu testen, war herauszufinden, ob es sich als Tablet-Ersatz eignet. Für mich persönlich kann ich die Antwort nun mit nein beantworten. Es kommt aber auch wieder auf die Nutzung an, aber eins nach dem anderen.

Handy und Tablet?

Zugeklappt ein Handy und aufgeklappt ein kleines Tablet. So zumindest die Theorie. Wie oben beschrieben, ist das äußere Display relativ schmal, was dazu führte, dass ich das Gerät meistens aufklappte, falls ich etwas länger im Internet surfte oder einen längeren Text tippte – sofern ich beide Hände frei hatte. Im geöffneten Zustand hatte ich allerdings das Problem, dass ich mit der Tastatur nicht richtig klar kam, da ich nicht alle Tasten gut erreichen konnte. Das führte zu unangenehmen Verrenkungen. Allerdings habe ich auch relativ kleine Hände, mit einem halben Zentimeter Daumenlänge mehr wäre dem ganzen wahrscheinlich Abhilfe geschafft. An der Daumenlänge lässt sich halt nichts ändern.

Produktives Arbeiten?

Das geht eigentlich erstaunlich gut, wobei auch hier wieder gesagt werden muss: Es kommt ein wenig auf die App an. Bei Notion hatte ich das Problem, dass der Text immer „Sprang“. Einmal wurde er über die Displaygröße angezeigt, dann wurde er kurz darauf wieder zentriert angezeigt, wie bei größeren Displays und immer so hin und her.

Andere Apps wie OneNote, Excel oder Word funktionierten allerdings gut und machen auf dem großen Display wesentlich mehr Spaß als auf einem „normalen“ Smartphone. Wer vor hat viel damit zu tippen, sollte sich evtl. noch einen kleinen Stand und eine Bluetooth-Tastatur besorgen.

Internetseiten sind meistens auch so eine Sache. Das Display ist genau so an der Grenze, das die mobile Darstellung angezeigt wird, was aber auf der Displaygröße oft etwas seltsam aussieht.

Freizeitspaß?

Spiele wie Diablo Immortal machen auf dem großen Display richtig Spaß und sehen auch richtig gut aus. Die Größe ist dabei perfekt. Weder zu klein, wie beim Handy, noch zu groß wie beim Tablet, wo man nach kurzer Zeit nicht mehr weiß wie man es halten soll weil zu schwer und klobig. Für ein bisschen zocken auf der Couch einfach optimal.

Videos/Filme/Serien machen auf dem Display grundsätzlich Spaß, werden aber aufgrund des Displayformates oft nicht viel größer angezeigt wie bei einem großen Smartphone. Etwas größer natürlich schon, das fällt aber nicht ins Gewicht.

Ein Video gucken und nebenbei etwas anderes in einer weiteren App machen? Ja, das geht. Aber hier ebenfalls wieder das Problem. Durch das Displayverhältnis, wird das Video dann meist so klein angezeigt, dass es meist keinen Spaß macht.

Fazit

Das Samsung Galaxy Z Fold 3 ist ein tolles Gerät und es macht Spaß damit zu Arbeiten und zu spielen. Wie oft bei solchen Geräten läuft noch nicht alles zu 100% perfekt, aber es macht seinen „Job“ schon ganz gut. Bei ein paar Dingen müssten wohl die App-Entwickler angreifen, ob das aufgrund der verhältnismäßig wenig solcher vorhandener Geräte passiert ist allerdings fraglich. Allerdings wird ja auch beim Betriebssystem und den Entwicklungstools immer mehr in solche Richtungen entwickelt und vielleicht erledigen sich diese Probleme dann auch von selbst.

Auch wenn ich das große Display in vielen Situationen zu schätzen weiß, hatte das Gerät für mich weniger Mehrwert als Gedacht und konnte nur zum Teil mein Tablet ersetzen. Das äußere Display ist mir häufig zu klein und das große Innendisplay ist für meine eher kleinen Hände meist etwas zu groß. Da ich viele Videos gucke, ist das Displayverhältnis unvorteilhaft. Beim Spielen und produktiven Arbeiten mit Apps wie Excel, Teams, OneNote oder einfach nur den Notizen ist es allerdings Hervorragend geeignet.

Ich bin auf die weitere Entwicklung entsprechender Geräte wirklich gespannt und freue mich schon zu sehen, in welche Richtung es weiter geht.

Ich hoffe ich konnte mit meinem Bericht dem ein oder anderen ein wenig bei der Entscheidungsfindung helfen. Bei Fragen gerne in die Kommentare damit und ich werde versuchen diese so gut wie möglich zu beantworten.

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