Ein paar Gedanken zu Mastodon

Gedanken

Seit Elon Musk angekündigt hat Twitter zu kaufen hat Mastodon wieder relativ großen Zulauf erhalten. Als erstes möchte ich nochmal kurz erklären was Mastodon ist, aber nicht zu sehr ins Detail gehen, dazu gibt es ja mittlerweile genug Beiträge.

Was ist Mastodon und wie funktioniert es?

Kurz gesagt Mastodon ist ähnlich wie Twitter. Ein Microblogging-Dienst. In der Standardinstallation können 500 Zeichen „Getrötet“ werden. Der „große“ Unterschied zu Twitter? Twitter wird allein von Twitter betrieben. Die ganzen Server, die dazu notwendig sind werden von Twitter gehostet/gemietet/verwaltet.

Bei Mastodon kann jeder einen Server (bzw. eine Instanz) installieren oder Hosten. Die Instanzen können Übergreifend kommunizieren, also kann trotzdem jeder mit jedem interagieren, obwohl es sich um einzelne Installationen handelt.

Der Nachteil/Das Risiko? Dadurch, dass jeder eine Instanz betreiben kann, sollte jeder überlegen, auf welcher Instanz der Account betrieben werden soll. Der Betreiber kann sich nämlich dazu entscheiden die Instanz abzuschalten. Accounts können aber auch relativ unkompliziert auf andere Instanzen umgezogen werden.

Eine Liste von Servern, denen man beitreten kann ist z. B. hier zu finden. Allerdings ist diese Liste bei weitem nicht vollständig.

Vorteil der Instanzen?

Bei den Instanzen gibt es allerdings auch einen Vorteil. Bei Mastodon gibt es immer die eigene Timeline, die lokale Timeline und die förderierte Timeline. Der Vorteil liegt hier meiner Meinung nach bei der lokalen Timeline, da die Chancen gut stehen, über Themen zu lesen, die mich Interessieren (sofern ich mich auf der richtigen Instanz befinde).

Die eigene Timeline ist leicht erklärt. Dabei handelt es sich einfach um die „Tröts“ der Personen, denen ich folge in chronologischer Reihenfolge.

Die lokale Timeline. Dabei handelt es sich um alle Beiträge, die Benutzer:innen auf der lokalen Instanz geschrieben haben. Befindet man sich auf einer Instanz mit einem Themenschwerpunkt (z. B. Technik), stehen die Chancen gut, dass auch ein paar Beiträge zu diesem Thema dabei sind.

Die förderierte Timeline. Bei der förderierten Timeline werden alle Beiträge aller Instanzen, die mit der eigenen Instanz kommunizieren angezeigt (sofern ich das richtig verstanden habe). Ich sehe also was gerade auf den ganzen Instanzen gepostet wird.

Gewechselt?

Im November bin ich seit 10 Jahren bei Twitter angemeldet. Den Großteil dieser 10 Jahre bin ich so ziemlich jeden Tag auf Twitter gewesen. Überwiegend als stiller Mitleser. Durch den Konten denen ich dort Folge bekomme ich relativ viel vom Weltgeschehen mit, auch ohne Radio und Fernseher. Twitter ist sozusagen zum Großteil meine Nachrichtenquelle.

Ich werde nach wie vor auf Twitter bleiben. Ich denke es wird nur ein Bruchteil der Personen auf Twitter komplett auf Mastodon umsteigen, auch wenn dort jetzt viele reinschnuppern. Auch ich habe das zum Anlass genommen mir Mastodon mal genauer anzusehen.

Der erste Eindruck

Tatsächlich bin ich mittlerweile positiv überrascht. Im Fediverse (dazu später mehr) sind viel mehr Personen unterwegs als ich ursprünglich dachte. Außerdem macht das „Tröten“ tatsächlich Spaß. Ich schreibe mehr und interagiere mehr.

Auch wird dort oft geschrieben, das der Umgang unter den User:innen netter ist. Das kann ich durchaus bestätigen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das aktuell nicht einfach ein Ergebnis daraus ist, dass weniger Personen in diesem Netzwerk unterwegs sind. Da die Hürde hier auch etwas höher ist (z. B. welche Instanz wähle ich), ist dort auch nicht jeder Troll anzutreffen, der sich einfach mal schnell auf Twitter anmeldet um Hass und Missgunst zu verbreiten.

Vielleicht ändert sich der Umgang mit der Zeit also auch dort, falls das Netzwerk mehr Aufmerksamkeit bekommt. Vielleicht täusche ich mich aber auch und der Umgang bleibt wie gehabt, was ich natürlich befürworten würde.

Bei Mastodon fühle ich mich ein bisschen in die Zeit versetzt als ich noch in ein paar Foren unterwegs war, bei denen wirklich jeder bemüht war dem anderen zu helfen anstatt „Benutze doch die SuFu“ oder „Du weißt aber schon wie Google“ funktioniert. Wie es sich in Zukunft entwickelt wird aber nur die Zeit zeigen.

Fediverse

Über diesen Begriff wird man auch zwangsläufig stolpern, wenn man sich ein bisschen mit Mastodon auseinandersetzt. Das Fediverse ist ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Netzwerken, die trotzdem miteinander kommunizieren können und die auf dem gleichen Prinzip wie Mastodon aufbauen.

Ein Beispiel. Als Beispiel sei hier Pixelfed genannt. Pixelfed ist so ähnlich wie Instagram. Dadurch, dass es Bestandteil vom Fediverse ist, kann ich aber einem Pixelfed-Account mit meinem Mastodon-Account folgen.

Also ich habe einen Account auf einer Mastodon-Instanz, nennen wir den Account @Mustermann@chaos.social. Dann ist der Benutzer @Mustermann auf der Mastodon-Instanz chaos.social. @Mustermann möchte jetzt gerne @Tester@pixelfed.de folgen. pixelfed.de ist eigentlich ein anderes Netzwerk. @Mustermann kann aber trotzdem dem Pixelfed-Account folgen und bekommt nun in seinem Mastodon-Client zukünftig die Fotos des Pixelfed-Accounts angezeigt.

Abschließend

Abschließend kann ich sagen: Mir gefällt Mastodon. Ich verbringe darauf aktuell mehr Zeit als ich eigentlich sollte. Ich finde das „Konzept“ dahinter Interessant und nett. Man merkt auch, dass viel Zeit und Gedanken an Dinge wie Accessibility geflossen sind.

Ich werde mir das ganze definitiv noch länger ansehen und vielleicht werde ich das Netzwerk zukünftig sogar mehr nutzen als den blauen Vogel.

Jemand hat vor kurzem geschrieben „Mastodon ist nur für die Nerds Sexy, die sich mit dem Thema beschäftigen.“ (oder zumindest so ähnlich, leider habe ich den Beitrag nicht mehr gefunden). Und zum Teil stimme ich dieser Aussage auch zu. Aber auch das wird die Zeit zeigen.

Habt ihr noch Fragen zu Mastodon? Soll ich noch einen ausführlicheren Beitrag dazu schreiben? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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